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Die Sensorische Integrationstherapie nach Dr. Jean Ayres ist eines der renommierten Behandlungsverfahren von Ergotherapeuten in der Pädiatrie und wird weltweit mit großem Erfolg von Ergotherapeuten eingesetzt.

Wie jedes Behandlungsverfahren muss es sich stets auf Neue einer kritischen Betrachtung unterziehen in Bezug auf seine Gültigkeit und wissenschaftlichen Evidenz. Die Einschätzung der DGSPJ zur SI-Therapie aus dem Jahr 2002 fiel recht kritisch aus, was Ergotherapeuten und insbesondere das SI-Leitungsteam im DVE, „zwang“ bessere wissenschaftliche Nachweise zu erbringen in Bezug auf die Gültigkeit der Grundannahmen des SI-Konzepts, Evidenz der Klassifikationen von SI-Störungen und nachvollziehbare Kriterien für SI-Therapie, deren Effekte dann auch nachgewiesen werden konnten.
Nach eingehender Prüfung und kritischer Abwägung hat die DGSPJ ihre damalige, sehr kritische Stellungnahme zur SI nun revidiert. Einen Auszug können Sie nachstehend lesen. Einen Link zur kompletten (recht umfangreichen) Stellungnahme finden Sie unten.

Auszug aus der revidierten Stellungnahme der DGSPJ zur SI-Therapie (November 2017)

Indikationen

Die Behandlungsindikation zur sensorischen Integrationstherapie wird gestellt bei einer relevanten klinischen Symptomatik einschließlich Verhaltensauffälligkeiten oder bei Diagnosen, wie z.B. motorische Ungeschicklichkeit, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen, Lernstörungen oder Regulationsstörungen wenn sich durch: – klinische Beobachtungen im Alltag (z.B. in Kindergarten oder Schule), – gezielte Beobachtungen bei speziellen Aufgabenstellungen – und die oben genannten und bewerteten Tests bzw. Fragebögen, wie z.B. SP oder SPM, Hinweise auf sog. sensorische Verarbeitungsstörungen im Sinne einer sensorischen Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (SPD) ergeben.

Behandlungsziele und Behandlungstechniken

Ayres ging davon aus, dass immer dann eine sensorische Integrationsleistung vorliegt, wenn auf eine Stimulation hin eine entsprechende Anpassungsreaktion erfolgt. Vorausgesetzt wird dabei, dass sich das Kind aktiv und selbstinitiierend mit seiner Umwelt auseinandersetzt. Daher sollten in der Therapie durch adäquate Anreize einzelne Fertigkeiten und Funktionen verbessert und weitere Entwicklungsschritte eingeleitet werden. Die sensorischen Stimuli sollten sich auf die gesamte Hirnaktivität auswirken, so dass sensorische und neurologische Funktionen wechselnd aufeinander ein und zusammenwirken.

Unter dem Eindruck der neuen Erkenntnisse zur Verarbeitung sensorischer Informationen bzw. Signale bis hin zur eigentlichen Wahrnehmung wurde nicht nur das Konzept und die Nosologie „adaptiert“, sondern auch die Zielsetzung bei der therapeutischen Intervention.

Im Leitungsteam zum Thema Sensorische Integration des Deutschen Verbandes Ergotherapie (DVE) und von der GSID, die internationalen mit Fachgesellschaften und Arbeitsgruppen vor allem aus USA und Australien kooperieren, wurden modifizierte Vorstellungen zur sensorischen Integrationstherapie entwickelt.

Es wurden in den letzten Jahren mehrere Artikel in der Verbandszeitschrift „Ergotherapie und Rehabilitation“ publiziert, die sich mit Theorie und Praxis auseinandersetzen.

Wie bei der Ergotherapie inzwischen allgemein akzeptiert, orientieren sich die Behandlungsziele an dem bio-psycho-sozialen Modell des ICF, bei dem auch Umweltfaktoren und die Teilhabe in Familie, Kindergarten, Schule oder peer-groups berücksichtigt werden.

Daher sind die Einwände gegen das Konzept der Sensorischen Integrationsstörungen auf Grund der prozessorientierten Zielsetzung bei der Sensorischen Integrationstherapie, die in der Stellungnahme der GNP von 2002 formuliert wurden, nicht mehr relevant. Es geht nicht mehr um funktionsbezogene Übungen zur Verbesserung der „neurophysiologischen Grundlage“, mit dem Ziel, die neurologische Integration zu fördern, sondern um die Verbesserung alltagsrelevanter Beeinträchtigungen mit dem Ziel, größtmögliche Selbstversorgung und Selbstständigkeit zu erreichen sowie die soziale Integration und Teilhabe zu unterstützen.

Die vollständige Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin finden Sie unter: www.dgspj.de/service/Stellungnahmen

Heilmittelkatalog

Verordnungsmöglichkeiten

EN 1 ZNS Schädigungen
ZNS-Erkrankungen und/oder Entwicklungsstörungen längstens bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres

Funktionelle/Strukturelle Schädigung der Körperhaltung, Körperbewegung und Koordination der Wahrnehmung und Wahrnehmungsverarbeitung
der kognitionsstützenden und höheren kognitiven Funktionen, wie: Aufmerksamkeit, Konzentration, Ausdauer, psychomotorisches Tempo und Qualität, Handlungsfähigkeit und Problemlösung einschließlich der Praxie

Leitsymptomatik:
Beeinträchtigungen der Aktivitäten (Fähigkeitsstörungen)
Einschränkung:
der Beweglichkeit, Geschicklichkeit
der Selbstversorgung und Alltagsbewältigung
in der zwischenmenschlichen Interaktion
im Verhalten

Therapieziele:
Selbstständigkeit in der altersentsprechenden Versorgung (Ankleiden/Hygiene)
Verbesserung der körperlichen Beweglichkeit und der Geschicklichkeit
Verbesserung der Belastungsfähigkeit und der Ausdauer
Verbesserung im Verhalten und in zwischenmenschlichen Beziehungen
Erlernen von Kompensationsmechanismen

Heilmittel:
Vorrangig: sensomotrisch- perzeptive Behandlung
Optional: psychisch- funktionelle Behandlung

Verordnungsmenge:
Erstverordnung: 10 Behandlungen
Folgeverordnung: 10 Behandlungen
Gesamtverordnungsmenge des Regelfalls: 60 Behandlungen

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EN2 ZNS-Schädigungen
ZNS-Erkrankungen nach Vollendung des 18. Lebensjahres

Funktionelle/Strukturelle Schädigung
der Körperhaltung, Körperbewegung und Koordination
der Wahrnehmung und Wahrnehmungsverarbeitung
der geistigen u. psychischen Funktionen/Stimmungen
des Gesichtsfeldes in Verbindung mit und ohne Neglect
der kognitionsstützenden und höheren kognitiven Funktionen wie: Aufmerksamkeit, Konzentration, Ausdauer, Psychomotorisches Tempo und Qualität, Handlungsfähigkeit und Problemlösung einschließlich der Praxie

Leitsymptomatik: Beeinträchtigungen der Aktivitäten (Fähigkeitsstörungen)
Einschränkung: der Beweglichkeit, Geschicklichkeit
der Selbstversorgung und Alltagsbewältigung
in der zwischenmenschlichen Interaktion
im Verhalten

Therapieziele:
Selbstständigkeit in der altersentsprechenden Versorgung (Ankleiden/Hygiene)
Verbesserung der körperlichen Beweglichkeit und der Geschicklichkeit
Verbesserung der Belastungsfähigkeit und der Ausdauer
Verbesserung im Verhalten und in zwischenmenschlichen Beziehungen
Erlernen von Kompensationsmechanismen

Heilmittel:
Vorrangig: sensomotrisch- perzeptive Behandlung
Optional: psychisch- funktionelle Behandlung

Verordnungsmenge:
Erstverordnung: 10 Behandlungen
Folgeverordnung: 10 Behandlungen
Gesamtverordnungsmenge des Regelfalls: 40 Behandlungen

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PS1 Geistige und psychische Störungen im Kindes- und Jugendalter
Entwicklungsstörungen; Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in Kindheit und Jugend

Zum Beispiel:
Frühkindlicher Autismus
Störung des Sozialverhaltens
Depressive Störung/Angststörung
Essstörungen

Funktionelle/Strukturelle Schädigung
in der Wahrnehmung und Wahrnehmungsverarbeitung
des psychomotorischen Tempos und der Qualität
der kognitionsstützenden und höheren kognitiven Funktionen
der emotionalen und Willensfunktionen

Leitsymptomatik: Beeinträchtigungen der Aktivitäten (Fähigkeitsstörungen)
Einschränkung:
der Selbstversorgung und Alltagsbewältigung
im Verhalten
in der zwischenmenschlichen Interaktion
der Beweglichkeit und Geschicklichkeit

Therapieziele:
Verbesserung des situationsgerechten Verhaltens
Verbesserung der Beziehungsfähigkeit
Selbstständigkeit in der altersentsprechenden Selbstversorgung
Verbesserung der Belastungsfähigkeit und der Ausdauer

Heilmittel:
Vorrangig: psychisch- funktionelle Behandlung
Optional: sensomotorisch- perzeptive Behandlung

Verordnungsmenge:
Erstverordnung: 10 Behandlungen
Folgeverordnung: 10 Behandlungen
Gesamtverordnungsmenge des Regelfalls: 40 Behandlungen

Hinweis:
Verordnung nur möglich aufgrund einer kinder- und jugendpsychiatrischen Diagnostik

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PS2 Neurotische, Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
Neurotische-, Belastungs- und somatoforme Störungen; Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen oder Faktoren; Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen

Zum Beispiel:
Angststörung
Essstörung
Borderline-Störung

Funktionelle/Strukturelle Schädigung
der emotionalen und Willensfunktionen
der Anpassungs- und Verhaltensmuster

Leitsymptomatik: Beeinträchtigungen der Aktivitäten (Fähigkeitsstörungen)
Einschränkung: im Verhalten in der zwischenmenschlichen Interaktion
in der Selbstversorgung und Alltagsbewältigung

Therapieziele:
Verbessrung des situationsgerechten Verhaltens, auch der sozio-emotionalen Kompetenzen und Interaktionsfähigkeiten
Verbesserung der Tagesstrukturierung
Verbesserung der Beziehungsfähigkeit
Selbstständigkeit in der Selbstversorgung
Verbesserung der Belastungsfähigkeit und der Ausdauer

Hinweis:
Verordnung nur möglich aufgrund einer psychiatrischen Eingangsdiagnostik

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ICF
Die International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF) ist eine Klassifikation von der Weltgesundheitsorganisation, die erstmals 2001 erstellt und herausgegeben wurde. In deutscher Übersetzung liegt sie unter dem Titel „Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit“ vor. (www.dimdi.de)

Mögliche ICF Nummern:

b156 Funktionen der Wahrnehmung
Spezifische mentale Funktionen, die die Erkennung und Interpretation sensorischer Reize betreffen
Inkl.: Funktionen, die visuelle, auditive, olfaktorische, gustatorische, taktile und räumlich-visuelleWahrnehmung betreffen, wie bei Halluzination oder Illusion
Exkl.: Funktionen des Bewusstseins (b110); Funktionen der Orientierung (b114); Funktionen der Aufmerksamkeit (b140); Funktionen des Gedächtnisses (b144); Kognitiv-sprachliche Funktionen (b167); Seh- und verwandte Funktionen (b210 bis b229), Hör- und Vestibularfunktionen (b230 bis b249); Weitere Sinnesfunktionen (b250 bis b279)

b1560 Auditive Wahrnehmung
Mentale Funktionen, die an der Unterscheidung von Geräuschen, Tönen, Tonhöhe und anderen auditiven Reizen beteiligt sind

b1561 Visuelle Wahrnehmung
Mentale Funktionen, die an der Unterscheidung von Form, Größe, Farbe und anderen visuellen Reizen beteiligt sind

b1562 Geruchswahrnehmung
Mentale Funktionen, die an der Erkennung unterschiedlicher Gerüche beteiligt sind

b1563 Geschmackswahrnehmung
Mentale Funktionen, die an der Unterscheidung von Geschmackseigenschaften wie süß, sauer, salzig und bitter auf der Zunge beteiligt sind

b1564 Taktile Wahrnehmung

Mentale Funktionen, die an der Differenzierung der Beschaffenheit von Oberflächen wie rau oder glatt durch Berührung beteiligt sind

b1565 Räumlich-visuelle Wahrnehmung
Mentale Funktion, die am visuellen Erkennen von räumlichen Bezügen der Objekte in der Umgebung zueinander oder zu einem selbst beteiligt sind

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